Ein redaktioneller Magazin-Beitrag
Serge Kahili King: Die Raum-Zeit-Falle
Aus dem Amerikanischen von Dr. August Rüggeberg - Redaktion: Manu-waiwai
Multiplex Life Seit Anfang der 1990iger Jahre hat sich die Anzahl der Wahlmöglichkeiten, die wir für alles und jedes haben, ganz erstaunlich vervielfacht. Die technologische Entwicklung hat bei diesen Exzessen der Wahlmöglichkeiten eine entscheidende Rolle gespielt: Während wir früher zwischen IBM AT oder XT wählen konnten, müssen wir heute entscheiden über die Prozessorgeschwindigkeit, ... über Videokarte, Modem, Grafikarte, Monitor, die externen Geräte, das Betriebssystem, die Gerätefarbe, Notebook oder Desktop und die Software. Wo wir uns früher beim Fernsehen zwischen ABC, CBS, NBC und ein paar lokalen Stationen entscheiden konnten, können wir heute zwischen hunderten von Kanälen weltweit wählen. Wo wir früher ein paar Briefe am Tag bekamen, erhalten wir heute täglich und stündlich dauernd Mails sieben Tage die Woche. Während man früher am Wochenende mal ins Dorfkino ging, gibt es heute in manchen Städten 6 verschiedene Kinos allein im nächsten oder übernächsten Häuserblock, einige mit 24 Filmen zur Auswahl ...
In der New-Age-Gemeinde gibt es die populäre Vorstellung, dass die Zeit tatsächlich immer schneller ablaufe, dass deshalb die ganze Welt zunehmend in Hektik gerate, und dass manche Menschen deshalb regelrecht ausflippen. Auch in der normal-bürgerlichen Gesellschaft herrscht das Bild vor, dass das Leben immer intensiver und stressiger werde, und dass dies manche Menschen krank oder verrückt mache.
In beiden "Gemeinden" gibt es Menschen, die sich nach dem einfacheren Leben zurücksehnen, um mehr Zeit zum Entspannen und zum Genießen des Lebens zu bekommen. Was ist da wirklich dran, und was können wir daran ändern?
Als kleiner Junge lebte ich im Vorort einer großen Stadt. Mein Äquivalent zu Computer und Fernsehen waren Kino und Comic-Heftchen, aber ich verbrachte auch viel Zeit draußen mit Freunden. Ich durchlebte allerlei Krankheiten, von denen ich heute weiß, dass sie mit Stress zusammenhängen - aber das war innerlicher und kein äußerlicher Stress.
Das Leben verlief in einem ganz gemütlichen Tempo. Ich ging zur Schule, hatte Klavierstunden, die ich hasste, weil mir der Lehrer bei jedem Fehler auf die Finger haute, ich spielte mit meinen Freunden, aß zu Abend und ging zu Bett. An den Wochenenden spielte ich auch meistens, abgesehen von ein paar häuslichen Arbeiten. Im Sommer spielte ich noch mehr, und als ich älter wurde, fand oder erfand ich kleine Arbeiten, mit denen ich mir etwas Geld für Süßigkeiten verdiente. Das leben war ziemlich locker und einfach.
Als Teenager lebte ich auf einer Farm unter einfachsten Lebensbedingungen wie in einem Dritte-Welt-Land. Geld, Essen und Kleider waren knapp, so daß ich oft zwei oder drei Jobs brauchte, aber die Zeit für Sport, Spiel und Kontakte schien mir trotzdem immer ausreichend. Auch das Gymnasium fand ich nicht stressig, weil ich fast nichts dafür tat, so gab es nur den normalen Teenager-Gefühlsstress, den man so durchleben muß.
An der Universität gab es Stress, weil ich mich da durcharbeiten mußte, aber auch da blieb Zeit zum Spielen. Bei den Marines war es stressig, weil es da eben so ist, aber ich hatte immer noch genug Zeit für mich selbst, und ich kann mich nicht erinnern, daß mich das Leben jemals überrollt hätte. Dieses Gefühl hatte ich nie, nicht im Studium, nicht in der Ehe, nicht in der Kindererziehung, nicht wärend sieben Jahren in Afrika oder in den anschließenden 70-iger und 80-iger Jahren.
Natürlich gab es mal harte Abschnitte, aber es war immer genug Zeit zum Reisen, am Strand zu frühstücken, für lange Waldspaziergänge oder Besuche bei Freunden. Obwohl ich oft jedes Wochenende zwischen Kauai und dem Festland hin und her reiste, empfand ich im Leben bis in die 90-iger hinein keinen Druck.
Aber was wurde dann nur anders? Bewegte sich die Erde durch irgendeine Art kosmisches Energiefeld, das alle unsere Frequenzen beschleunigte, brachten Fernsehen, Umweltverschmutzung oder die Angst vor der nuklearen Auslöschung uns körperlich und seelisch zum Zusammenbruch?
Das Nachdenken über diese Fragen wurde jetzt wichtig, denn ich bemerkte, daß ich immer mehr und mehr arbeitete und immer weniger und weniger spielte. Ich fing also an nachzudenken, und dabei kam mir plötzlich eine Erinnerung, die mich zu einer neuen Theorie führte.
Ich erinnerte mich an eine Reise mit meiner Familie von Michigan nach Californien, die wir kurz nach unserer endgültigen Rückkehr von Afrika machten. Wir parkten unseren VW-Bus neben einem ländlichen Supermarkt, wo Gloria (meine Frau) nur kurz reinspringen wollte, um Aluminiumfolie zu kaufen. Wir erwarteten beide, dass das höchstens 10 Minuten dauern würde. - Nach einer halben Stunde war ich so ärgerlich, dass ich die Kinder allein im Bus ließ, um nach ihr zu schauen. Ich wußte genau, sie konnte keinen Einkaufsbummel machen, denn unser Geld reichte gerade mal so für die Aluminiumfolie. Als ich den Laden betrat, fand ich sie vor dem Regal mit den Aluminiumfolien.
Sie wirkte völlig geistesabwesend oder wie in einer hypnotischen Trance. Im Regal gab es mehr Aluminiumfolie, als wir in den ganzen sieben Jahren Afrika gesehen hatten. Es gab Aluminiumfolie in verschiedenen Längen, Breiten, Dicken und von verschiedenen Firmen. In Dakar, wo wir zuletzt gewohnt hatten, wären wir froh gewesen, eine einzige Rolle irgendwo im Regal zu finden. Gloria war einfach völlig gelähmt von der Qual der Wahl. Ich ergriff wahllos eine der Schachteln, schüttelte sie aus ihrer Trance und holte sie da raus.
Seit Anfang der 1990iger Jahre hat sich die Anzahl der Wahlmöglichkeiten, die wir für alles und jedes haben, ganz erstaunlich vervielfacht. Die technologische Entwicklung hat bei diesen Exzessen der Wahlmöglichkeiten eine entscheidende Rolle gespielt: Während wir früher zwischen IBM AT oder XT wählen konnten, müssen wir heute entscheiden über die Prozessorgeschwindigkeit, ... über Videokarte, Modem, Grafikarte, Monitor, die externen Geräte, das Betriebssystem, die Gerätefarbe, Notebook oder Desktop und die Software. Wo wir uns früher beim Fernsehen zwischen ABC, CBS, NBC und ein paar lokalen Stationen entscheiden konnten, können wir heute zwischen hunderten von Kanälen weltweit wählen. Wo wir früher ein paar Briefe am Tag bekamen, erhalten wir heute täglich und stündlich dauernd Mails sieben Tage die Woche. Während man früher am Wochenende mal ins Dorfkino ging, gibt es heute in manchen Städten 6 verschiedene Kinos allein im nächsten oder übernächsten Häuserblock, einige mit 24 Filmen zur Auswahl
Aber die Technologische Vielfalt ist nicht der einzige Grund, weswegen wir mit Wahlmöglichkeiten überschwämmt werden.
Kommt Ihnen der folgende "Dialog" etwa bekannt vor?
"Möchten sie etwas trinken vor dem Essen? - Wir haben 6ix verschiedene Softdrinks, 4 Arten Mineralwasser mit Kohlensäure, Sie können natürlich auch stilles Wasser bekommen, mit oder ohne Eis, mit oder ohne Zitrone oder Limette, 8 Sorten Bier, darunter 3 vom Fass, 50 Weine zur Wahl, Flaschenweine oder im Glas - und natürlich eine große Auswahl an Mixgetränkenmit oder ohne Alkohol. - Möchten Sie zum Essen einen Salat? Sie können wählen: grünen Salat, gemischten Salat, Tomaten-Käse-Salat, Caesar's salat mit oder ohne Anchovies; alle diese Salate können sie mit Hähnchenfleisch oder Fisch bekommen. Welche Sauce wünschen Sie? Thousand-island, French, Sahnesauce, Italienische Sauce, Blaukäsesauce, Papayasamen Dressing, Honig-Senf-Sauce, schlicht Essig und Öl, Reisessig oder Balsamico,oder unsere Spezialsauce des Hauses. Wünschen Sie die Sauce über den Salat oder extra, und möchten Sie Pfeffer über den Salat?"
Es ist leicht, hunderte von Wahlmöglichkeiten aufzuzählen, die wir inzwischen in unserem Leben haben, aber da unsere verfügbare Zeit mit der Zunahme der Wahlmöglichkeiten nicht mitwächst, muß ich mich mit meinen Beispielen auf einige wenige beschränken.
Aber so kommen wir auf eine gegenwärtig populäre "Lösung", um alles zu schaffen, was wir tun könnten: Sie heißt "Multitasking" und bedeutet, dass man am Computer mehrere Fenster geöffnet hat, an denen man gleichzeitig arbeitet.
Der Begriff wird jedoch auf zunehmend auf menschliches Verhalten angewendet. "Multitasking" bedeutet einfach, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, was ja an und für sich nichts ganz Neues ist.
Wie die meisten Menschen, kann ich gleichzeitig Autofahren, Radio hören und dabei noch ein Gespräch führen. Manche Menschen fügen nun noch ein Handy hinzu, ein Navi-System, das ihnen zeigt und erzählt, wo sie sind und wie sie wohin kommen, und dann gibt es auch noch Internet-Zugang im Auto.
Wie viele Menschen habe ich die Ruhe und Ungestörtheit auf dem Klo als Freiheit genutzt, so lange ich denken kann. Neuerdings komme ich nur noch dort zum Lesen meiner Wunschlektüre, und ich kenne Menschen, die ihr Klo mit Bücherregalen, CD-Player, Uhr, Telefon und Laptop einrichten. Da gibt es noch Staubsauger mit Radios, Toaster mit Uhr, Armbanduhren, die so viele Funktionen haben, dass man ihre eigentliche Aufgabe fast vergisst, und meine Enkel sind in ein Rollenspiel am Computer verstrickt, in dem sie 8 verschiedene Figuren gleichzeitig sein "können".
Ich denke, das Gefühl, daß die Zeit immer schneller abliefe, das so viele von uns empfinden, hat mehr mit der unübersehbaren Anzahl von Wahlmöglichkeiten zu tun, als mit irgendetwas anderem.
Heutzutage kann ich jederzeit 25 verschiedene Dinge haben, die um meine Aufmerksamkeit konkurrieren. Gibt es denn - statt meine Fähigkeit zum Multitasking immer mehr auszubauen – irgendeine andere Lösung?
Darüber habe ich nachgedacht, aber ich kann nur berichten, was mir persönlich hilft:
Meine Lösung reduziert nicht die Anzahl der Wahlmöglichkeiten - Das wäre zu einfach. Alles was wir tun müßten, wäre, in einer Umgebung wie dem afrikanischen Busch zu leben, wo es nur wenige Wahlmöglichkeiten gibt, die wir gleichzeitig haben. Aber ich liebe doch alle meine Spielzeuge, ich liebe das Schreiben, ich liebe zu heilen, ich liebe zu unterrichten, Webseiten zu gestalten und zu organisieren, ich liebe zu spielen und all die Dinge zu tun, die ich so gerne tue, so dass die Flucht vor den Wahlmöglichkeiten nicht meine Lösung ist.
Nein, meine Lösung ist,
ganz bewusst und willentlich
Entscheidungen zu treffen.
Bitte beachten Sie, dass ich nicht "weise" oder "vorsichtig" gesagt habe. Ich weiß nämlich nicht, was bei meinen Entscheidungen herauskommt, bevor ich sie getroffen habe - und dann kann ich ja wieder neue Entscheidungen treffen.
Bewusst und willentlich Entscheidungen zu treffen bedeutet, sich der Notwendigkeit von Entscheidungen nicht zu widersetzen, und nachher die nicht getroffene Entscheidung auch nicht zu bedauern.
Aber wie weiß ich, wofür ich mich entscheiden soll? Wie wir alle kombiniere ich Logik, Intuition und Gefühl? Falsche Entscheidungen zu vermeiden, ist für mich kein Thema, denn ich bin überzeugt, dass wir keine falschen Entscheidungen treffen können!
Ich glaube schon, dass uns die Ergebnisse unserer Entscheidungen zuweilen nicht gefallen, aber sie gehören zu jenem Feedbacksystem, das wir Leben nennen, und wir können jederzeit - in den Grenzen jener Resultate - wieder neue Entscheidungen treffen.
Statt meine "falschen" Entscheidungen für die Resultate verantwortlich zu machen, arbeite ich mit der Idee, dass die Ergebnisse Resultat so vieler Faktoren sind, dass wir sie niemals ganz überschauen können. Natürlich lehrt uns das Leben, dass manche Entscheidungen mehr Erfolgsaussichten haben als andere, aber das ist wie wenn man sagen würde, bestimmte Wege führen eher zum Ziel als andere. Sich für eine Route zu entscheiden garantiert keine problemlose Reise, aber:
Ich treffe meine Entscheidungen so gut ich kann
und mit völliger Bereitschaft,
mit ihren Resultaten zu leben bzw.
nötigenfalls neue Entscheidungen zu treffen.
Das reduziert den Entscheidungs-Stress ganz erheblich. -
Bei mir jedenfalls wirkt das so. Vielleicht auch bei euch!
Serge Kahili King, u.a. Kultautor (das Aloha-Brevier "Gelebte Liebe", "Der Stadtschamane" uva.), hawaiianischer Kahuna Kupua, Huna-Seminarleiter, Begründer des weltweiten Netzwerks von ALOHA INTERNATIONAL.
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ALOHA (hawaiianisch): 1. Wertschätzung für sich selbst und andere; 2. »lieben heißt, sich für Glücklichsein entscheiden: glücklich zu sein mit etwas oder jemand - glücklich zu sein mit dem, was ist und wie es ist«; 3. entspannte, positive Grundstimmung; 4. Dankbarkeit ausdrücken; 5. Glücksmomente mit anderen teilen, gleich jetzt! --- Und, egal wie du dich fühlst, eins gilt immer: »Aloha ist da, wo du bist«. HAWAII kostet hier nur ein Lächeln: • Das ALOHA-Brevier » von Kultautor Serge Kahili King (Gratis-Download) • Newsletter » (anmelden und Freudschafts-Bonus abholen) • Hawaii Desktop-Fotos (Wallpaper) » • Alohaweb ~ Die Aloha Community » (schnuppern oder Mitglied werden) |
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